Rettet das Prinzregentenstadion!

Gedanken zum Denkmalschutz »Damit Vergangenheit eine Zukunft hat«

Das Prinzregentenstadion stand "nur" unter Ensembleschutz. Dennoch hatte es städtebauliche und stadtbildprägende Bedeutung. Die Erhaltung des Hauptgebäudes hätte im öffentlichen Interesse gelegen, da es ein historische Erbe für die kommende Generation war. Im Bau manifestiert sich die Geschichte, die Bedeutung für die Gegenwart hat. Die Prinzregentenstraße ist ein gesamthistorisches Ensemble von allerhöchster Priorität – auch durch seine vielfältigen Baustile, durch die Epochen.


Panorama Prinzregentenstadion

Sie ist eine stadtbildprägende Straße, die einen städtebaulichen Milieuschutz erfordert. Der Schutz des Kulturgutes, der Baudenkmäler und Ensembles ist eine der wichtigsten Grundlagen historischer Orientierung und damit des Verständnisses kultureller Entwicklungen. Die Bundesrepublik ist in internationalen Übereinkommen vertreten unter der Ägide der UNESCO und zu einem effektiven Schutz der Denkmal- und Kulturgüter verpflichtet.

der Bademeister-TurmUnabhängig von der Denkmaleigenschaft ist relevant, dass eine nicht geringe Anzahl von Spezialisten oder Liebhabern ein Interese am Schutz dieses Gebäudes hat(1). Denkmalschutz bedeutet auch verantwortlichen Umgang mit der Geschichte, es geht nicht um heile Welten. Die Denkmalpflege ist ihrem Auftrag nach in diesem Diskurs notwendigerweise Partei. Sie hat auch die Interessen derjenigen unter ihren Schutzbefohlenen zu wahren, die derzeit nicht geliebt werden(2).

Wir müssen die Beweislast umkehren: Abgerissen werden darf ab sofort nicht mehr auf Verdacht, sondern allenfalls dann, wenn eine Erhaltung nachweislich unmöglich ist und wenn das, was an die Stelle des Alten treten soll und unter ökonomischen, sozialen, ökologischen und ästhetischen Aspekten wirklich besser als das Vorhandene ist(2).


SchiffsarchitekturDie Schiffsarchitektur im Innenbereich des Stadions mit den abgestaffelten Terrassen passte sehr gut zum Schwimmbadcharakter. Die Geländer mit der Reeling waren nur noch an der Hausmeisterwohnung original erhalten und sollten beim Hauptbau rekonstruiert werden.

Die Südseite des Hauptgebäudes hätte mit wesentlich weniger finanziellen Mitteln z.B. mit Glas und Stahl behutsam aufgewertet und saniert werden können. Der Innenbereich war zu den Seiten hin sehr schön gegliedert und proportioniert im typischen Stil der neuen Sachlichkeit der 30 iger Jahre – wogegen die modernistische Neubauplanung sehr einfältig und ohne jegliches Spiel mit den Baumassen und Proportionen verfährt. Sie wirkt nach innen kalt, abweisend und einkesselnd.

Blick von der Eisbahn auf die SüdseiteEin moderner Entwurf am falschen Ort. Außerdem hat die Hauptfassade in Kupferblech keinen Bezug zum Ensemble der vorhandenen Bauten. Sogar die Büroneubauten aus den 80 iger Jahren sind filigraner, ausgewogener und fügen sich besser in den Charakter der Straße ein.

Wir fordern daher einen Architektenwettbewerb, um eine gestalterisch und wirtschaftlich optimale Lösung zu finden. Der Bauherr bekommt über den Wettbewerb eine Fülle von unterschiedlichen Lösungen, aus denen er auswählen kann. Dies lohnt sich allein schon durch rationellere und preiswertere Vorschläge. Die Stadt München sollte ihre Verantwortung für die Baukultur in userem Land erst nehmen. Bauwerke sind Kulturgüter unsres Landes.

1) Hammer: das Schutzsystem der deutschen Denkmalschutzgesetze, JuS 1997, Heft 11
2) Prof. Norbert Huse: Unbequeme Baudenkmale: Entsorgen? Schützen? Pflegen? Beck Verlag 1997